Handy-TV - Mobiles Fernsehen
(Handy)
 

Fernsehen für unterwegs - der Start in Deutschland

Seit dem 01.06.2006 ist in Deutschland das Fernsehen per Handy möglich. Nach mehrmonatigem rechtlichen Gerangel hat sich die Düsseldorfer Firma Mobiles Fernsehen Deutschland GmbH (MFD) durchgesetzt. Mit Beginn der Fußball-WM 2006 in Dtl. am 09. Juni kommen dadurch die WM-Städte Berlin, Frankfurt a.M., Köln, München und Stuttgart in den Genuß der Möglichkeit, die Spiele auf dem Handy zu verfolgen. Bis Mitte Juni 2006 sollen Hamburg, Hannover und Gelsenkirchen folgen und 2007 sollen laut Planung sogar schon drei Viertel der Bundesbürger die neuen Angebote nutzen können.

Das Handy-TV Angebot

Vorerst stehen lediglich die Sender MTV, N24, ZDF und ein spezieller Entertainmentkanal von Pro7 und Sat1 zur Verfügung. Außerdem kann der Jugendsender bigFM2see mit seinem auf junge Leute zugeschnittenen Angebot betrachtet werden. Der Empfang von DAB-Radiosendern (Digital Audio Broadcasting) rundet das aktuelle Angebot für Handy-TV ab. Als Übertragungsverfahren wird hierbei DMB verwendet, welches sich dank Samsung in Asien (vor allem Südkorea und China) bereits stark verbreiten konnte.
Bisher vermarktet hierzulande nur der Reseller Debitel Handy-TV und zwar unter dem Namen "Watcha". Dieses kostet zur Zeit vertragsabhängig zwischen knapp 10 bis 15 Euro. Obwohl es bereits von verschiedenen Herstellern Handys gibt, die die neue Technik unterstützen, ist am deutschen Markt diesbezüglich bisher nur das Samsung SGH-P900 für 199 Euro mit Vertrag erhältlich. Dieses Handy verfügt über ein 2,2-Zoll-QVGA-Display mit einer Auflösung von 320x240 Pixeln, Stero-Lautsprechern und einem, wie heutzutage üblich, integrierten mp3-Player. Das Samsung SGH-P900 kann DAB-Radiosender allerdings nur im L-Band empfangen.

Alternative Standards für Handy-TV

Im Gegensatz zum von Debitel verwendeten Format DMB versuchen die vier großen deutschen Mobilfunkbetreiber den Standard DVB-H durchzusetzen, weil darüber mehr Fernsehsender (ca. 30 Stück) übertragen werden können. DVB-H steht für Digital Video Broadcasting Handheld. Allerdings besteht in Deutschland ein Mangel an dafür geeigneten Frequenzen, da diese teilweise und vor allem in allen Bundesländern unterschiedlich bereits anderweitig (z.B. für DVB-T) vergeben wurden. DVB-H wird u.a. von einer Allianz aus Intel, Motorola, Nokia und Texas Instruments in Nordamerika stark unterstützt. Nokia als Spitzenreiter am weltweiten Handymarkt hat sich außerdem auf eine Zusammenarbeit im DVH-H-Bereich mit Sony Ericson geeinigt, um diesen Standard weiter voranzutreiben. DVB-H gibt es bereits in zahlreichen Pilotprojekten u.a. in den USA, der Schweiz und anderen europäischen Staaten - inzwischen auch in Deutschland. Handys, die den DVB-H-Standard unterstützen, gibt es einige. So stellte Nokia bereits im November 2005 das Nokia N92 vor. Andere Handyhersteller wie BenQ Mobile, LG Electronics, Motorola und auch Sagem bieten ein DVB-H-Handys an. Auf jeden Fall bestehen sehr gute Chancen dafür, dass die neuen Handy-TV Standards das bisherige Angebot von Fernsehen per UMTS ablösen und eine weit größere Verbreitung erlangen.

Zielgruppe für Handy-TV

Von den am Mobilfunk beteiligten Unternehmen werden teilweise weltweit bis zu 200 Mio Nutzer bis 2010 erwartet. Einige Untersuchungen am Markt suggerieren jedoch bedeudent niedrigere Nutzermengen für die Zukunft. So hatte z.B. eine Umfrage von IBM in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn gezeigt, das zur Zeit fast nur Personen unter 20 Jahren Interesse am Handy-TV haben und hierauf beim nächsten Handy achten wollen. Im Gegensatz zum "Klingeltonfanatismus" könnte sich beim Fernsehen per Handy allerdings durchaus die Altersgrenze im Laufe der Zeit verschieben - immerhin bekommt man für sein Geld mehr geboten, als bei den Klingelton und Logo-Vertreibern. Trotzdem kann es durchaus als bedenklich eingestuft werden, dass die Hauptzielgruppe eindeutig sehr jung, stark beeinflußbar und finanzschwach ist. Laut bereits erwähnter IBM-Studie stehen 60% der Handy-Tv-Interessierten weniger als 500 Euro zur Verfügung. Noch bedenklicher muten Bemerkungen von MTVs Vizepräsident an, dass er hoffe, dass sich das derzeitige Einstiegsalter von 8 Jahren noch weiter senke. Da stellt sich einem die Frage, wozu ein Schüler überhaupt ein Handy braucht und ob sich die Eltern heutzutage ihrer Verantwortungslosigkeit in Bezug auf Strahlung (Elektro-Smog) und den sinnlosen Geldausgaben überhaupt bewußt sind ...

Quellen: heise.de, medienforum.nrw.de
Autor: Norbert Schröder
Datum: 15.06.2006

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