Programmieren lernen
(Programmierung)
 
Um 1990, also in der Zeit, als sich die Personal Computer am Markt durch ihre Funktionsvielfalt verstärkt durchsetzen konnten, war noch ein beachtlicher Teil der Anwender in der Lage, kleine eigene Tools und Programme zu schreiben. Heute, wo kaum noch jemand allein die Fülle verschiedener CPUs überschauen kann und noch weniger Leute auswendig wissen, was genau sich hinter den merkwürdigen Bezeichnungen eigentlich verbirgt, kann nur noch ein sehr kleiner Bruchteil der Computer-Besitzer und Anwender eigene Tools programmieren. Dabei ist das gar nicht so schwer, wie viele annehmen. Doch wo fängt man mit dem Programmieren lernen an? Nun, das ist Geschmackssache und eigentlich nur davon abhängig, wofür man sich im Besonderen interessiert und was man erreichen möchte.

Webentwicklung und Webprogrammierung

Besonders einfach für Anfänger ist die Webentwicklung, die eigentlich eher ein "Scripting" ist. Für den Einstieg genügt es hierbei, sich mit html oder dem aktuelleren Nachfolger xhtml auseinanderzusetzen. Dann sucht man sich für ein gutes Layout noch eine Cascading Stylesheet Hilfe (kurz: CSS) und schon ist man in der Lage, erste kleine Webseiten zu erstellen. Um etwas mehr Dynamik mit automatisch generierten Webseiten zu ermöglichen, empfiehlt sich noch das Erlernen von der zu C/C++ ähnlichen Sprache php. Mit php kann man z.B. auch ganz einfach in jede seiner Seiten ein Menü oder eine Kopfzeile includen (einbinden). Falls man auch Datenbanken verwenden möchte, muss man noch das sehr einfache SQL lernen. Damit gewappnet fehlt nur noch ein Grafiker, der etwas Farbe ins Spiel bringt und die Ergänzung zum Webprogrammierer darstellt. Die wohl allen bekannten Effekte, die man nur mit JavaScript oder Flash erstellen kann, benötigt man nicht zwingend, da diese in der Regel niemandem Vorteile bringen. Für einige besondere Hingucker kann man das später bei Bedarf aber immer noch lernen.

Programmierung in C/C++ und Pascal

Wer lieber gleich richtige Programmiersprachen erlernen möchte, der hat heute von einigen kaum bedeutsamen Nischenlösungen abgesehen eigentlich nur noch die Qual der Wahl, ob ihm C/C++ oder Pascal in einem jeweiligen Dialekt lieber ist. C/C++ konnte sich im Laufe der letzten Jahrzehnte in sehr vielen Bereichen gegen das bedeutend einfachere Pascal durchsetzen, obwohl die fertigen Programme bei gleicher CPU-Optimierung in etwa gleich schnell sind. Ein Hintergrund für die größere Verbreitung von C/C++ ist unter anderem, dass alle bedeutenden PC-Betriebssysteme fast ausschließlich in C/C++ und einem ganz kleinen Anteil Assembler geschrieben wurden. Weitere Gründe finden sich in der unglaublich großen Vielzahl an vorhandenen freien Bibliotheken und nicht zuletzt auch die enorme Markt-Bedeutung von Microsofts Entwicklungsumgebung Visual C++ legte es in der Vergangenheit vielen Entwicklern nahe, die gegebene Vielfalt zu nutzen. C-Programmierer sagen oft "Der größte Vorteil von C/C++ sind die Pointer", die Pascal-Programmierer halten dagegen "Der größte Nachteil von C sind die Pointer". Der Hintergrund ist einfach zu verstehen, wenn man weiß, dass in C/C++ Variablen und Speicherbereiche sehr oft über sogenannte Pointer (Zeiger) angesprochen werden und dies eine der Hauptursachen für vielerlei kritische Fehler ist, die nicht selten zu Sicherheitsproblemen führen. Die Nutzung von Pointern ist in Pascal zwar auch möglich, wird aber eben wegen der enorm hohen Fehleranfälligkeit im Normalfall vermieden. Die einzig wichtige Ausnahme ist, wenn man in Pascal eine C-Bibliothek verwenden will, deren Funktionen Pointer als Parameter erwarten.

Lösungen von Borland

Der heute bedeutendste Pascal-Dialekt stammt von der schon sehr lange im Compiler-Geschäft tätigen Firma Borland und heißt Delphi. Für Delphi gibt es zwar nicht so viele frei verfügbare Bibliotheken wie für C, im Normalfall findet man trotzdem nahezu alle erdenklichen Grundlagen für diverse Objekte. Gerade die größeren Delphi-Versionen (ab Enterprise) verfügen neben zusätzlichen Statndardobjekten vor allem bereits über sehr viele objektorientiert integrierte Serverschnittstellen. Delphi hat als berühmten Vorfahren Turbo Pascal, um Objekt-Pascal erweitert wurde der Vorgänger als Borland Pascal bekannt. Die Borland-Compiler erfreuen sich vorrangig in Schulen, Kleinunternehmen und mittleren Firmen sehr großer Beliebtheit. Daher sind die meisten Delphi-Projekte auch im Bereich kleinerer bis mittelgroßer Programme bekannt, da für größeres meist die Manpower fehlt. Die Entwicklungsumgebungen von Borland verfügen seit jeher über ein sehr gutes Hilfesystem mit vielen Beispielsourcecodes und beim Compilieren erkannte Fehler (Syntaxfehler) werden im Gegensatz zu den Microsoft-Compilern in der Regel richtig(er) erkannt und auch die Position des Fehlers ist meist korrekt. C-Compiler neigen im Gegensatz zu Pascal-Compilern ohnehin oft dazu, im Quelltext enthaltene Fehler erst viele (teilweise hunderte) Zeilen später anzuzeigen und somit die Fehlersuche zu erschweren. Seit der Markteinführung brachte Borland immer kurze Zeit nach den Delphi-Versionen die entsprechende Version vom Borland C++ Builder heraus, mit jeweils angepaßter identischer IDE (Benutzeroberfläche / User-Interface). Dies bot von Anfang an all den Programmierern, die beide Sprachen nutzen, den Vorteil, dass kaum Umgewöhnung notwenig ist, immerhin sind auch die Objekte mit ihren Eigenschaften größtenteils identisch. Seit der aktuellen Delphi-Version ist der nunmehr nicht mehr eigenständig angebotene Borland C++ Builder direkt in Delphi integriert, so dass man bedeutend einfacher gemischten Code schreiben kann. Delphi ist in der kleinsten Version für OpenSource-Projekte kostenlos verfügbar, für Linux gibt es eine Version namens Kylix. Zu Turbo Pascal kompatibel gibt es das von Linux stammende Projekt Free Pascal, welches erweitert um die IDE Lazarus auch große Teile von Delphi nachbildet. Um C/C++ oder Pascal zu erlernen, gibt es hunderte Bücher und tausende von brauchbaren Internetseiten, die sowohl Einsteigern in die Programmierung als auch Profis unzählige Beispiel-Quelltexte und kleine Sourcecode-Schnipsel zur Verfügung stellen. Im obigen Text befinden sich für einen kleinen Einblick in die Thematik Links zu einer Seite, die sich relativ umfangreich u.a. mit der Webentwicklung und Delphi beschäftigt und auch kleine Beispielprogramme in C/C++ anbietet.

Autor: Norbert Schröder
Datum: 24.06.2006

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